Verleihung der Eduard Lucas Medaille 2026
Begründung zur Verleihung der Eduard Lucas Medaille 2026
Der Vergabeausschuss des Vereins rettet die Champagner Bratbirne e.V., bestehend aus Hannes Kugler, Dr. Walter Hartmann, Jochen Berger, Markus Zehnder und Gottlob Seyfang, hat nach sorgfältiger Prüfung der eingereichten Unterlagen sowie nach einem persönlichen Besuch bei der Initiative Kulturland Hohenlohe einstimmig beschlossen, diese für die Verleihung der EduardLucasMedaille 2026 vorzuschlagen. Die Initiative erfüllt in herausragender Weise die fachlichen, ökologischen und gesellschaftlichen Kriterien, die Eduard Lucas selbst verkörperte und die mit der Medaille gewürdigt werden sollen.
Besonders hervorzuheben ist der ganzheitliche Ansatz, mit dem Kulturland Hohenlohe den Schutz und die Entwicklung der Streuobstkulturlandschaft verfolgt. Streuobstwiesen werden nicht isoliert betrachtet, sondern als Teil eines umfassenden Biotopverbundes, der Hecken, Steinriegel, kleinräumige Kulturflächen, Wildobstbestände und Wiesen einschließt. Dieser ökologische Gesamtansatz entspricht dem modernen Verständnis von Kulturlandschaftspflege und hebt die Initiative deutlich von klassischen Baumpflanzprojekten ab. Die über viele Jahre hinweg angelegten und gepflegten Heckenstrukturen zeigen die langfristige und konsequente Ausrichtung des Projekts.
Ein weiterer zentraler Aspekt ist der außergewöhnliche Beitrag zum Erhalt alter und regionaler Obstsorten. Mit Unterstützung des Pomologen Hermann Schreiweiss, selbst Preisträger der Eduard Lucas Medaille 2019, wurden über dreißig Apfelsorten, mehr als zehn Birnensorten sowie zahlreiche weitere alte Obst- und Wildobstarten gepflanzt und gesichert. Darunter befinden sich seltene, teils fast vergessene Sorten, die durch Veredelung und Neupflanzung erhalten wurden. Auch regionale Quittensorten sowie Sorten aus musealen Beständen wurden integriert. Damit leistet die Initiative einen bedeutenden Beitrag zur Bewahrung genetischer Ressourcen und zur Förderung der Pomologie im Sinne Eduard Lucas’.
Die fachliche Qualität der Pflegearbeiten ist ebenfalls hervorzuheben. Die Initiative setzt auf regelmäßige Schnittkurse, sorgfältige Pflege der Jungbäume, Wässern in Trockenperioden, Mahd und Mulchen sowie auf den konsequenten Verzicht auf chemische Düngemittel und Pflanzenschutzmittel. Nistkästen, Sitzhilfen für Greifvögel und Quartiere für Nützlinge ergänzen das ökologische Konzept. Diese Maßnahmen zeigen ein tiefes Verständnis dafür, dass Streuobst ein Kulturgut ist, das ohne menschliche Pflege nicht überleben kann.
Von besonderer Bedeutung ist die starke Einbindung der Bevölkerung. Über fünfzig Patinnen und Paten haben Bäume übernommen und begleiten deren Entwicklung. Dieses Patenschaftsmodell schafft Identifikation, vermittelt Wissen, fördert Verantwortung und verbindet Generationen. Darüber hinaus arbeitet die Initiative eng mit Schulen, Kindergärten und verschiedenen Umweltgruppen zusammen, die beim Pflanzen, Pflegen und Ernten eingebunden werden. Streuobst wird so zu einem gesellschaftlichen Gemeinschaftsprojekt, das weit über die Region hinaus wirkt.
Die regionale Bedeutung der Initiative zeigt sich in zahlreichen Kooperationen, der Beratung anderer Gruppen, der Planung eines Streuobstlehrpfads sowie dem Aufbau eines regionalen Streuobstnetzwerks. Die Öffentlichkeitsarbeit macht die Bevölkerung auf die Bedeutung alter Obstsorten als kulturelles Erbe und genetische Ressource aufmerksam. Die Initiative wirkt damit als Modellprojekt für nachhaltige Kulturlandschaftspflege im 21. Jahrhundert.
Beim persönlichen Besuch von Dr. Walter Hartmann und Markus Zehnder wurde deutlich, mit welcher Authentizität, Fachkenntnis und Leidenschaft die Initiative arbeitet. Die Ansprechpartner Hubert Meixner und Günter Müller überzeugten durch ihre regionale Verwurzelung und ihr tiefes Fachwissen. Die besichtigten Anlagen waren gepflegt, vielfältig und ökologisch wertvoll. Die Patenschaftsbäume vermittelten eindrucksvoll die Verbindung zwischen Bevölkerung und Kulturlandschaft. Dieser Besuch bestätigte die Entscheidung des Ausschusses nachhaltig.
Zusammenfassend erfüllt die Initiative Kulturland Hohenlohe die Ziele der EduardLucasMedaille in herausragender Weise. Sie verbindet den Erhalt alter Obstsorten, die Pflege und Entwicklung von Streuobstbeständen, den Schutz der Kulturlandschaft als Biotopverbund, eine vorbildliche Bürgerbeteiligung sowie eine langfristige und nachhaltige Wirkung. Der Vergabeausschuss ist überzeugt, dass die Initiative ein Leuchtturmprojekt für BadenWürttemberg und darüber hinaus darstellt und empfiehlt dem Landwirtschaftsministerium nachdrücklich, die EduardLucasMedaille 2026 an Kulturland Hohenlohe zu verleihen.
Hannes Kugler
Dr. Walter Hartmann
Jochen Berger
Markus Zehnder
Gottlob Seyfang
Weitere infos unter: eduard-lucas-medaille
